Glossar
Die Begriffe der Longevity-Wissenschaft, je ein Absatz.
AGEs (fortgeschrittene Glykierungsendprodukte)
Produkte der unkontrollierten Verbindung von Zucker und Protein; sie versteifen Kollagen (Haut, GefĂ€Ăe, Gelenke). Hoher Blutzucker bildet sie innen, Geröstetes, Frittiertes und Gegrilltes bringt sie von auĂen.
Allostatische Last
Die âVerschleiĂkostenâ chronischen Stresses am Körper: dauerhaft hohes Cortisol, Blutdruck, EntzĂŒndung und Blutzucker zusammen. Ein messbarer Score, der Sterblichkeit besser vorhersagt als jede Komponente allein.
AMPK
Ein Energiemangel-Sensor; seine Aktivierung (Bewegung, Fasten, Metformin, Berberin) löst Fettverbrennung und Mitochondrienbildung aus. Gegenspieler von mTOR.
ApoB
Apolipoprotein B â das gemeinsame Protein aller atherogenen Lipoproteinpartikel (LDL, VLDL, Lp(a)). Eines pro Partikel, misst also die Partikelzahl.
APOE Δ4
Die stĂ€rkste hĂ€ufige Genvariante fĂŒr Alzheimer: eine Kopie 2â3-faches, zwei 8â12-faches Risiko; 25 % der EuropĂ€er tragen sie. Kein Schicksal: bei TrĂ€gern ist die Wirkung von Bewegung, gutem Schlaf und ApoB-Kontrolle GRĂSSER als bei anderen.
Autophagie
Die âselbstverdauendeâ Reinigung der Zelle: Abbau und Recycling beschĂ€digter Proteine und Organellen. Angeregt durch Fasten, Bewegung und Spermidin; Thema des Medizin-Nobelpreises 2016.
Ballaststoffe
Unverdauliches pflanzliches Kohlenhydrat; Darmbakterien machen daraus kurzkettige FettsĂ€uren. 25â29 g tĂ€glich bedeuten 15â30 % geringere Sterblichkeit (Lancet 2019). Der europĂ€ische Durchschnitt liegt bei 18 g.
BDNF
Brain-derived neurotrophic factor â âDĂŒngerâ fĂŒr Nervenzellen: fördert neue Verbindungen und Hippocampus-Wachstum. Aerobe Bewegung ist der stĂ€rkste bekannte VerstĂ€rker; chronischer Stress und Schlafmangel senken ihn.
Bioimpedanz (BIA)
Die KörperfettschĂ€tzung von Smart-Waagen aus dem Widerstand gegen schwachen Strom. Hydration, Mahlzeiten und Training verzerren bis ±5 %; gut fĂŒr den Trend, nicht fĂŒr den Absolutwert â dafĂŒr braucht es DEXA.
Biologisches Alter
Aus dem Funktionszustand des Körpers geschÀtztes Alter, im Gegensatz zum Kalenderalter. Messbar mit epigenetischen Uhren, Blutmarker-Panels (PhenoAge) oder einfachen Funktionstests (VO2max, Griffkraft, Einbeinstand).
Blaue Zonen
FĂŒnf Regionen (Okinawa, Sardinien, Ikaria, Nicoya, Loma Linda) mit auffĂ€llig vielen HundertjĂ€hrigen. Gemeinsam: tĂ€gliche natĂŒrliche Bewegung, pflanzenbetonte Kost, starke Gemeinschaft, Sinn. Kritik: ein Teil der Daten könnte auf Fehlern in Geburtsregistern beruhen (Newman 2024).
Braunes Fettgewebe
WĂ€rmeproduzierendes Fett, das Kalorien aus Glukose und Fett verbrennt; KĂ€lte aktiviert es. Erwachsene haben wenig (50â100 g), weshalb KĂ€lteexposition nur bescheiden Kalorien verbrennt â der Effekt auf die InsulinsensitivitĂ€t ist gröĂer.
Chronotyp
Teils genetisch festgelegte innere Zeitgebung: âLercheâ oder âEuleâ. Eine an die soziale Uhr gezwungene Eule sammelt chronischen Schlafmangel (Social Jetlag); mit dem Alter wird jeder lerchenhafter.
Cortisol
Das Stresshormon der Nebenniere; morgens hoch, abends niedrig â das ist der normale Rhythmus. Eine abgeflachte Kurve (auch abends hoch) geht mit schlechterem Schlaf, Bauchfett und schnellerer epigenetischer Alterung einher.
Deprescribing (Medikamentenabbau)
Das geplante, Ă€rztlich gefĂŒhrte Absetzen nicht mehr indizierter Medikamente. Ziele: jahrelange Protonenpumpenhemmer, Schlafmittel, Anticholinergika (Demenzrisiko), zu viele Blutdrucksenker bei Ălteren. Nie eigenmĂ€chtig.
DEXA
Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie: ein niedrig dosierter Scan, der Knochendichte, Magermasse und Fettmasse (auch Viszeralfett) nach Körperregion misst.
DNA-Methylierung
Das AnhÀngen einer Methylgruppe an Cytosine der DNA (CpG-Stellen); ein Gen-Stilllegungssignal. Der Methylierungszustand hunderttausender Stellen zusammen ist der genaueste bekannte Fingerabdruck des biologischen Alters.
Dysbiose
Ein gestörtes Darmökosystem: weniger nĂŒtzliche, mehr entzĂŒndungsfördernde Arten. Verursacht durch Antibiotika, hochverarbeitete Lebensmittel, Alkohol und Stress; nĂ€hrt EntzĂŒndung ĂŒber eine durchlĂ€ssige Darmwand.
Einsamkeit als Risikofaktor
Subjektive Einsamkeit (nicht Alleinsein) erhöht die Sterblichkeit um 26 %, soziale Isolation um 29 % (Holt-Lunstad-Metaanalyse) â vergleichbar mit Rauchen. Sie erhöht EntzĂŒndung und Cortisol; regelmĂ€Ăiger wöchentlicher Sozialkontakt schĂŒtzt.
Epigenetik
Die Markierungen (Methylierung, Histonmodifikation), die Gene ein- und ausschalten, ohne die DNA-Sequenz zu Ă€ndern. Mit dem Alter âverwischtâ das Muster; epigenetische Uhren messen das.
Epigenetische Uhr
Aus DNA-Methylierungsmustern berechnetes biologisches Alter (Horvath, GrimAge, DunedinPACE). GrimAge sagt Sterblichkeit voraus; DunedinPACE misst das TEMPO des Alterns und reagierte in CALERIE auf Kalorienrestriktion.
FOXO
Eine Familie von Transkriptionsfaktoren, die Stressantwort, DNA-Reparatur und Autophagie einschalten. Eine FOXO3-Variante ist die hÀufigste gemeinsame Genvariante von HundertjÀhrigen; niedriges Insulin/IGF-1 aktiviert sie.
Ganggeschwindigkeit
Das âsechste Vitalzeichenâ: das ĂŒbliche Gehtempo in m/s. Unter 0,8 m/s ein Zeichen von Gebrechlichkeit, ĂŒber 1,2 liegt die Lebenserwartung ĂŒber dem Durchschnitt (Studenski 2011, n=34.485). Zu Hause auf 4 Metern messbar.
Gebrechlichkeit (Frailty)
Ein klinisches Syndrom: mindestens drei von Gewichtsverlust, Erschöpfung, SchwĂ€che, langsamem Gehen, geringer AktivitĂ€t. Der stĂ€rkste geriatrische PrĂ€diktor fĂŒr Krankenhaus und Tod; Sarkopenie ist sein Motor.
GenominstabilitÀt
Die AnhĂ€ufung von DNA-SchĂ€den, wĂ€hrend die Reparatursysteme nachlassen; das erste Kennzeichen des Alterns. UV, Tabakrauch und Alkohol beschleunigen es; guter Schlaf und Folatversorgung schĂŒtzen die Reparatur.
Geroprotektor
Eine Substanz, die den Alterungsprozess verlangsamt, statt eine Krankheit zu behandeln. Bei MĂ€usen belegt: Rapamycin, Acarbose, 17α-Ăstradiol, Canagliflozin; beim Menschen keine fĂŒr die Lebensdauer belegt â daher âexperimentellâ.
Geroscience
Das Feld, das Altern selbst als gemeinsamen Risikofaktor chronischer Krankheiten sieht â Altern zu bremsen verhindert daher Krebs, Herzkrankheit und Demenz zugleich. Das ITP und die TAME-Studie sind sein Programm.
GLP-1
Ein Darmhormon, das nach dem Essen Insulin freisetzt, die Magenentleerung verlangsamt und dem Gehirn SĂ€ttigung signalisiert. Seine Analoga (Semaglutid, Tirzepatid) sind die ersten Adipositas-Medikamente, die harte Endpunkte bewegen.
GlykÀmische Last
Wie stark und wie schnell eine Portion den Blutzucker hebt (glykĂ€mischer Index Ă Kohlenhydratmenge). Ballaststoffe, Protein, Essig und die Reihenfolge (GemĂŒse zuerst) senken sie.
Glymphatisches System
Die âKanalisationâ des Gehirns: im Tiefschlaf spĂŒlt der Liquor das Gewebe durch und wĂ€scht Beta-Amyloid aus. Nach einer durchwachten Nacht bleibt messbar mehr Amyloid zurĂŒck.
Hazard Ratio (HR) und relatives Risiko
HR 0,80 = 20 % niedrigere Ereignisrate wÀhrend der Nachbeobachtung. Frag immer auch nach der absoluten Zahl: 20 % relative Senkung von 1 % auf 0,8 % bedeuten ein verhindertes Ereignis pro 500 Menschen (NNT).
HbA1c
Glykiertes HĂ€moglobin: der Anteil zuckergebundener roter Blutkörperchen, Spiegel des mittleren Blutzuckers der letzten ~3 Monate. Ăber 5,7 % PrĂ€diabetes, ĂŒber 6,5 % Diabetes; das Longevity-Ziel ist 5,0â5,4.
Healthspan (gesunde Lebensjahre)
Der Lebensabschnitt ohne chronische Krankheit und Funktionsverlust. Die Longevity-Wissenschaft will diesen verlÀngern, nicht bloà die Lebensdauer.
HerzfrequenzvariabilitÀt (HRV)
Die Schwankung der Zeit zwischen HerzschlĂ€gen; ein Marker fĂŒr die StĂ€rke des parasympathischen (Ruhe-)Nervensystems. Höher = bessere Erholung und Stresstoleranz. Stark individuell â der eigene Trend zĂ€hlt, nicht die absolute Zahl.
HIIT
Hochintensives Intervalltraining: kurze (30 sâ4 min) nahezu maximale Abschnitte mit Pausen. Der effizienteste Weg, VO2max zu steigern; das ânorwegische 4Ă4â (4Ă4 min bei 90 %) ist die bestuntersuchte Form.
Hitzeschockproteine
Von Hitze (Sauna, Fieber) und Bewegung gebildete âChaperonâ-Proteine, die beschĂ€digte Proteine neu falten. Ein vermuteter Weg fĂŒr die kognitiven und kardialen Vorteile der Sauna.
Hochverarbeitete Lebensmittel (UPF)
NOVA-Gruppe 4: Produkte aus industriellen Zutaten (modifizierte StĂ€rke, Isolate, Emulgatoren, Aromen). Sie liefern 50 % der Energie in angelsĂ€chsischer ErnĂ€hrung; jede +10 % bedeuten 3â4 % mehr Sterblichkeit (Kohorten).
Hormesis
Das Prinzip, dass ein milder Stressor (Bewegung, Hitze, KĂ€lte, Fasten) eine adaptive Antwort auslöst, die stĂ€rker macht â âwas dich nicht umbringtâ, dosisabhĂ€ngig.
hs-CRP
Hochsensitives C-reaktives Protein: das EntzĂŒndungssignal der Leber. Unter 1 mg/l niedriges, ĂŒber 3 hohes Herz-Kreislauf-Risiko. Infektion oder Verletzung erhöhen es vorĂŒbergehend â nur gesund gemessen aussagekrĂ€ftig.
HundertjÀhrige und SuperhundertjÀhrige
Menschen ĂŒber 100 bzw. 110. Sie leben nicht gesĂŒnder als der Durchschnitt â sie verschieben Krankheit nach hinten (Kompression der MorbiditĂ€t). Genetik (FOXO3, APOE Δ2) erklĂ€rt ~25 %; ihre Geschwister erreichen 8â17-mal so wahrscheinlich die 100.
IGF-1 / Wachstumshormon-Achse
Der Hormonweg, der Wachstum antreibt. Niedrige AktivitĂ€t verlĂ€ngert das Leben bei jeder untersuchten Art (ZwergmĂ€use, Laron-Syndrom), hohe baut Muskeln auf â das Longevity-Ziel ist die Mitte: genug gegen Sarkopenie, nicht mehr.
Inflammaging
Die mit dem Altern einhergehende chronische niedriggradige EntzĂŒndung (hs-CRP, IL-6) â der gemeinsame Hintergrund von Herz-, Hirn- und Muskelerkrankungen. GenĂ€hrt von Viszeralfett, seneszenten Zellen und Darmflora-VerĂ€nderungen.
Insulinresistenz
Verringerte Zellantwort auf Insulin; die BauchspeicheldrĂŒse kompensiert mit immer mehr Insulin, bis sie erschöpft (Typ-2-Diabetes). Viszeralfett und Bewegungsmangel sind die Hauptursachen.
ITP (Interventions Testing Program)
Das seit 2004 parallel in drei Laboren laufende Maus-Lebensdauer-Programm des US-NIA â der âGoldstandardâ des Feldes. Bestanden: Rapamycin, Acarbose, 17α-Ăstradiol, Glycin, Canagliflozin, Astaxanthin. Durchgefallen: Resveratrol, Fisetin, Curcumin, NR, Metformin.
Kalorienrestriktion
Dauerhafte Kalorienreduktion um 10â30 % ohne MangelernĂ€hrung â die am lĂ€ngsten bekannte lebensverlĂ€ngernde MaĂnahme bei Labortieren. Beim Menschen zeigte CALERIE kardiometabolische und epigenetische Vorteile.
Kennzeichen des Alterns
LĂłpez-OtĂns Rahmenwerk 2013/2023: 12 zellulĂ€re und molekulare Prozesse (GenominstabilitĂ€t, TelomerverkĂŒrzung, epigenetische VerĂ€nderung, Seneszenz, mitochondriale Dysfunktion usw.), die das Altern antreiben.
Ketose
Ein Stoffwechselzustand, in dem die Leber aus Fett Ketonkörper als Brennstoff bildet; tritt nach 12â16 Stunden Fasten oder sehr wenig Kohlenhydraten ein. Kann 60â70 % des Hirnbedarfs decken. Nicht dasselbe wie Ketoazidose.
Klotho
Ein von der Niere gebildetes âAnti-Agingâ-Protein; sein Fehlen verursacht bei MĂ€usen rasches Altern, sein Ăberschuss 20â30 % lĂ€ngeres Leben. Beim Menschen gehen höhere Werte mit besserer Kognition einher; Bewegung und Vitamin D erhöhen es.
Kognitive Reserve
Der âPufferâ des Gehirns: Bildung, komplexe Arbeit, Zweisprachigkeit und Sozialleben verzögern Symptome bei gleicher Alzheimer-Pathologie. Er verhindert die Krankheit nicht, gewinnt aber Jahre.
Kohortenstudie
Eine groĂe Gruppe wird jahrelang ohne Eingriff beobachtet (z. B. UK Biobank, Nurses' Health Study). Zeigt Zusammenhang, nicht Ursache: Kaffeetrinker leben vielleicht lĂ€nger, weil sie von vornherein gesĂŒnder waren (âHealthy-User-Biasâ).
Kompression der MorbiditÀt
Fries' (1980) Konzept: die Krankheitsphase soll ans Lebensende gedrĂ€ngt werden â lange gesund, kurz krank.
Koronarkalk-Score (CAC)
Ein niedrig dosiertes CT, das verkalkte Plaques in den Koronararterien quantifiziert (Agatston). 0 = sehr niedriges 10-Jahres-Risiko; >100 = behandeln. Der einzige Test, der bereits abgelagerte Krankheit zeigt, nicht nur Risiko.
Kurzkettige FettsÀuren
Butyrat, Propionat, Acetat â Produkte der bakteriellen BallaststoffgĂ€rung. Butyrat ist der Haupttreibstoff der Darmwandzellen, entzĂŒndungshemmend und verbessert die Blutzuckerkontrolle.
Laktatschwelle
Die IntensitĂ€t, oberhalb derer Laktat schneller gebildet als abgebaut wird (â2 mmol/l erste, 4 zweite Schwelle). Zone 2 liegt unter der ersten Schwelle; Fitness verschiebt sie nach oben.
Lebenssinn (Ikigai)
Das GefĂŒhl, dass das Leben Richtung und Sinn hat. In Kohorten (Health and Retirement Study, n=6.985) bedeuteten die höchsten Sinn-Werte 2,4-fach geringere Sterblichkeit als die niedrigsten, adjustiert. Der wichtigste Schutzfaktor nach der Pensionierung.
Leucin-Schwelle
Die Leucinmenge pro Mahlzeit (â2,5â3 g, also 25â40 g hochwertiges Protein), die die Muskelproteinsynthese auslöst. Mit dem Alter steigt die Schwelle â deshalb reicht âwenig, aber oftâ nicht.
Lifespan (Lebensdauer)
Zeit von der Geburt bis zum Tod. Das menschliche Maximum liegt bei â115â122 Jahren; die Lebenserwartung reicher LĂ€nder bei 80â84.
Lp(a) â Lipoprotein(a)
Ein genetisch festgelegtes, LDL-Ă€hnliches Partikel; bei 20 % der Menschen hoch und ein unabhĂ€ngiges Risiko fĂŒr Herzinfarkt und Aortenstenose. Lebensstil bewegt es nicht; einmal im Leben messen, Medikamente kommen ab 2025.
Mendelsche Randomisierung
Eine Methode, die zufĂ€llig vererbte Genvarianten als ânatĂŒrliches Experimentâ nutzt: wenn LDL-senkende Varianten weniger Herzinfarkte bedeuten, ist LDL ursĂ€chlich. So wurde die LDL-gegen-HDL-Debatte entschieden.
Menopause und HRT
Der Ăstrogenverlust zwischen 45 und 55 beschleunigt Knochenabbau, Atherosklerose und Viszeralfettzunahme. Eine vor 60 oder binnen 10 Jahren nach der Menopause begonnene Hormontherapie (transdermales Ăstradiol) wurde nach der WHI-Panik 2002 neu bewertet: der Nutzen ĂŒbersteigt meist das Risiko.
Metaanalyse
Die statistische ZusammenfĂŒhrung der Ergebnisse mehrerer Studien. Die Spitze der Evidenzpyramide â aber nur so gut wie die eingeschlossenen Studien; schlechte Studien bleiben auch addiert schlecht (âGarbage in, garbage outâ).
Metabolisches Syndrom
Mindestens drei von fĂŒnf: Bauchfett, hohe Triglyceride, niedriges HDL, hoher Blutdruck, hoher NĂŒchternblutzucker. Ein Drittel der Erwachsenen ist betroffen; es verdoppelt das Herz-Kreislauf-Risiko.
Metformin
Das hĂ€ufigste Diabetes-Medikament (AMPK-Aktivator). Diabetiker darunter zeigen niedrigere Krebs- und Sterberaten; die TAME-Studie soll testen, ob es bei Gesunden die gesunde Lebensspanne verlĂ€ngert â noch kein Ergebnis.
Mikrobiom
Die ~38 Billionen Bakterien im Darm und ihre Gene. Die Vielfalt sinkt mit dem Alter; eine ballaststoffreiche, vielfĂ€ltige pflanzliche ErnĂ€hrung (30 Pflanzenarten pro Woche) erhöht sie. Die Mikrobiome HundertjĂ€hriger wirken âjĂŒngerâ.
Mitochondrien
Die Energie produzierenden Organellen der Zelle. Zahl und QualitĂ€t sinken mit dem Alter; Zone-2-Training ist der stĂ€rkste bekannte Reiz fĂŒr ihre Neubildung.
Mitophagie
Die auf Mitochondrien spezialisierte Autophagie: das Entsorgen beschĂ€digter âKraftwerkeâ. Gefördert durch Urolithin A und Bewegung.
mTOR
Der âWachsen oder AufrĂ€umenâ-Schalter der Zelle: NĂ€hrstoffĂŒberfluss treibt Wachstum, Mangel Autophagie. Rapamycin hemmt ihn; Protein und Insulin aktivieren ihn.
NAD+
Das zentrale Coenzym der Energieproduktion und DNA-Reparatur. Sinkt in manchen Geweben mit dem Alter um 30â50 %; Vorstufen (NMN, NR) erhöhen es, der klinische Nutzen ist noch unbelegt.
NeuroplastizitÀt
Die lebenslange FĂ€higkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu bilden und sich umzuorganisieren. Neue Fertigkeiten (Sprache, Instrument), Bewegung und Schlaf erhalten sie; Routine lĂ€sst sie verkĂŒmmern.
NNT (Number Needed to Treat)
Wie viele Menschen das Mittel wie lange nehmen mĂŒssen, um ein Ereignis zu verhindern. Statine in der PrimĂ€rprĂ€vention ĂŒber 5 Jahre NNT â 100â200; Blutdrucksenkung bei Hypertonie â 30â60. Eine kleine NNT zeigt echten Nutzen.
Osteopenie / Osteoporose
Abnahme der Knochendichte (T-Score zwischen â1 und â2,5 Osteopenie, darunter Osteoporose). Verursacht Frakturen bei einem Drittel der Frauen und einem FĂŒnftel der MĂ€nner ĂŒber 50; die Einjahressterblichkeit nach HĂŒftfraktur liegt bei 20â30 %. Krafttraining, Protein, D3+K2 und rechtzeitige Behandlung bremsen sie.
Oxidativer Stress
Ein Ăberschuss freier Radikale (ROS) gegenĂŒber der antioxidativen Abwehr. In kleinen Dosen Signal und Trainingsreiz (Hormese), chronisch Zellschaden â deshalb scheiterten hochdosierte Antioxidantien-Tabletten.
Partielle Reprogrammierung
Das kurzzeitige Einschalten der Yamanaka-Faktoren (OSKM), das das epigenetische Alter einer Zelle âzurĂŒckspultâ, ohne sie zur Stammzelle zu machen. Sehkraft bei MĂ€usen wiederhergestellt (2020), erste Humanstudien ab 2025. Das gröĂte Versprechen und das gröĂte Tumorrisiko.
Polypharmazie
Die gleichzeitige Einnahme von mehr als fĂŒnf Medikamenten; 40 % der ĂŒber 65-JĂ€hrigen. Quelle von Wechselwirkungen, StĂŒrzen und kognitivem Abbau â âDeprescribingâ ist ein eigenes Longevity-Werkzeug.
Polyphenole
Tausende pflanzliche Abwehrstoffe (Flavonoide, Stilbene, Lignane) in Beeren, Kakao, Olivenöl, Tee, Kaffee. Im Körper wirken sie nicht als Antioxidantien, sondern als milde Stressoren (Xenohormese) und ĂŒber die Darmflora.
Protein-Hebel-Effekt
Simpsons und Raubenheimers Hypothese: der Körper isst weiter, bis der Proteinbedarf gedeckt ist. Ist die ErnĂ€hrung proteinarm (UPF), essen wir zu viele Kalorien â ein Proteinanteil von 15â20 % sĂ€ttigt.
Proteostase
Das Gleichgewicht aus korrekter Proteinfaltung und -abbau. Sein Verlust fĂŒhrt zu fehlgefalteten Aggregaten (Amyloid, Tau, Alpha-Synuclein) â die gemeinsame Wurzel von Alzheimer und Parkinson.
Publikationsbias
Positive Ergebnisse werden leichter veröffentlicht als negative; die Supplement-Literatur ist deshalb zu rosig. Funnel-Plots und vorregistrierte Studien helfen â eine kleine, industriefinanzierte Studie ist immer verdĂ€chtig.
Rapamycin
Ein aus Boden der Osterinsel isolierter mTOR-Hemmer, ursprĂŒnglich ein Transplantations-Immunsuppressivum. Das einzige MolekĂŒl, das in jeder getesteten Art (Hefe, Wurm, Fliege, Maus) das Leben verlĂ€ngerte.
RCT (randomisierte kontrollierte Studie)
Teilnehmer werden zufĂ€llig auf Behandlung oder Kontrolle verteilt, idealerweise verblindet. Das einzige Design, das Ursache und Wirkung beweist. Grenzen: kurz, ausgewĂ€hlte Populationen, teuer â deshalb sind 10-Jahres-Longevity-RCTs selten.
REM-Schlaf
Die traumreiche Phase mit schnellen Augenbewegungen, dominant in der zweiten NachthĂ€lfte; hier laufen emotionale Verarbeitung und GedĂ€chtnisintegration. Alkohol und spĂ€te Schlafmittel unterdrĂŒcken sie; frĂŒhes Aufstehen schneidet sie ab.
Ruhepuls
Beim Aufwachen gemessene Herzfrequenz; 50â60 zeigt gute Fitness. Jede +10 SchlĂ€ge/min gehen in Kohorten mit 10â20 % höherer Sterblichkeit einher. Zone-2-Training senkt ihn am wirksamsten.
Sarkopenie
Altersbedingter Verlust an Muskelmasse und Kraft: 3â8 % pro Jahrzehnt ab 30, schneller ab 60. Sagt StĂŒrze, Frakturen, Diabetes und Sterblichkeit voraus; umkehrbar durch Krafttraining und Protein.
SASP
Senescence-associated secretory phenotype: der entzĂŒndliche âSchreiâ seneszenter Zellen (IL-6, IL-8, MMPs), der auch die Nachbarn altern lĂ€sst. Senolytika beseitigen diese Quelle.
Schlafapnoe
Wiederholte Atemaussetzer im Schlaf, mehr als 5 pro Stunde (AHI). Bei 20â30 % der erwachsenen MĂ€nner vorhanden, 80 % wissen es nicht. Verursacht Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Demenz; CPAP-Behandlung kehrt das um.
Schlafdruck (Adenosin)
Adenosin, das sich mit wachen Stunden im Gehirn ansammelt; es erzeugt SchlĂ€frigkeit und Tiefschlaf baut es ab. Koffein blockiert den Adenosinrezeptor â es senkt den Druck nicht, sondern versteckt ihn nur.
Senolytika
Substanzen (Dasatinib+Quercetin, Fisetin), die seneszente Zellen gezielt abtöten. Bei MĂ€usen ĂŒberzeugend, Humanstudien laufen.
Sirtuine
Eine NAD+-abhĂ€ngige Enzymfamilie (SIRT1â7), die DNA-Reparatur, Stoffwechsel und EntzĂŒndung reguliert. Ihre âAktivierungâ (Resveratrol) hat beim Menschen nicht gehalten, was sie versprach.
Stammzellerschöpfung
Der Schwund der Erneuerungsreserve der Gewebe: weniger und schlechter funktionierende Stammzellen in Knochenmark, Muskel und Darm. Hauptgrund fĂŒr die langsamere Regeneration; Bewegung und Kalorienrestriktion bremsen es.
Surrogat-Endpunkt
Ein Messwert (NAD-Spiegel, TelomerlĂ€nge, epigenetisches Alter), der statt des harten Endpunkts (Krankheit, Tod) gemessen wird, weil er schneller ist. Die Gefahr: der Marker kann sich verbessern, ohne dass der Mensch lĂ€nger lebt â die meisten NMN-Studien sind so.
Telomerase
Das Enzym, das Telomere wieder aufbaut; in den meisten erwachsenen Zellen abgeschaltet, in Krebszellen aktiv. Seine Aktivierung ist zweischneidig: mehr Teilungen, aber Tumorrisiko â deshalb kein âLongevity-Medikamentâ.
Telomere
Schutzkappen der Chromosomen, die sich mit jeder Teilung verkĂŒrzen. Ihre LĂ€nge korreliert mit dem Altern, ist aber ein schlechter individueller Biomarker (hohe Streuung); chronischer Stress beschleunigt den Abbau.
Testosteronabfall (Andropause)
Bei MĂ€nnern sinkt Testosteron nach 30 um ~1 % pro Jahr; das meiste davon durch Ăbergewicht, Schlafmangel und InaktivitĂ€t, nicht durch das Alter. Die TRAVERSE-Studie (2023) fand die Ersatztherapie herzsicher, aber nur bei echtem Mangel angezeigt.
Tiefschlaf (N3)
Die Tiefschlafphase, ĂŒberwiegend in der ersten NachthĂ€lfte. WachstumshormonausschĂŒttung, âGehirnwĂ€scheâ (glymphatisches System) und GedĂ€chtniskonsolidierung finden hier statt; Alkohol und Alter verringern ihn.
TMAO
Trimethylamin-N-oxid: von Darmbakterien aus rotem Fleisch, Eiern und Cholin gebildet, dann von der Leber oxidiert. Hohe Werte gehen mit Herz-Kreislauf-Ereignissen einher; Fisch erhöht es auch und ist dennoch schĂŒtzend â die Bedeutung ist umstritten.
Viszeralfett
Fett im Bauchraum um die Organe â nicht unter der Haut. Hormonell aktiv, schĂŒrt es EntzĂŒndung und Insulinresistenz. Das Taille-GröĂe-VerhĂ€ltnis nĂ€hert es gut an; DEXA misst es genau.
VO2max
Die maximale Sauerstoffaufnahme des Körpers in ml/kg/min; das Maà der kardiorespiratorischen Fitness und der stÀrkste bekannte SterblichkeitsprÀdiktor.
Zeitlich begrenztes Essen
Das Essen auf ein tĂ€gliches Fenster von 8â10 Stunden beschrĂ€nken. Eine vereinfachte Form der Kalorienrestriktion; allein bringt es nicht mehr als dieselben Kalorien anders verteilt.
ZellulÀre Seneszenz
Ein Zustand, in dem sich eine Zelle nicht mehr teilt, aber auch nicht stirbt, sondern entzĂŒndliche Stoffe (SASP) abgibt. Angesammelte âZombie-Zellenâ treiben die Gewebealterung.
Zirkadianer Rhythmus
Die â24-Stunden-Innere-Uhr, hauptsĂ€chlich durch Licht gestellt. Steuert Schlaf, Hormone und Stoffwechsel; Störung (Schichtarbeit, Nachtlicht) geht mit Insulinresistenz und Sterblichkeit einher.
Zone 2
Die TrainingsintensitĂ€t, bei der sich Laktat noch nicht anhĂ€uft (â60â70 % der max. Herzfrequenz, Plaudertempo). Der Hauptentwickler mitochondrialer KapazitĂ€t und des Fettstoffwechsels.
Zuletzt geprĂŒft: 6. September 2026
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